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Beim Dehner-Verdi-Infoblog arbeiten Gewerkschaftsmitglieder und KollegInnen aus unterschiedlichen Bereichen und Märkten mit. Mit unseren Beiträgen wollen wir für mehr Information im Unternehmen sorgen und allen KollegInnen eine Plattform zum Austausch geben.

Montag, 22. April 2013

Ein Bericht aus der Süddeutschen Zeitung vom 19.04.13 über Dehner



Der Text ist lang, aber lesenswert
Sehr guter Bericht.

VON JOHANNES SCHNITZLER

Eine „Balance von edler Kühle und Noblesse“,
eine „berückende Synthese
von Kraft und kaschmirgleicher Eleganz“:
Was hier blumig Ausdruck findet,
ist nicht die Schönheit schwedischerSchauspielerinnen
oder der Pirschgang eines
bengalischen Tigers. Es geht umWein.Weine
vonMonteverro aus Capalbio. DieKritik
ist sicher: Dort wächst etwas heran. Auf
den sanften Hügeln der Maremma hat GeorgWeber
aus Rain amLech in zehn Jahren
ein Weingut der Superlative aus dem roten
Boden gestampft. Sein ehrgeiziges Ziel:
den Supertoskanern,demTignanello, dem
Sassicaia und Solaia, ein Schwergewicht
entgegenzusetzen: den „Premier Grand
Cru der Toskana“.
Ein großer Bordeaux eröffnete Weber
einst den Zugang zu einer neuen Welt. Einer
Welt, die der damalige BWL-Student
akribisch zu vermessen beginnt. Weber
probiert, liest und saugt alles über Wein
und Weinbau in sich auf. Bald sucht er einen
Platz, wo er seinen Traum vom eigenen
Gut verwirklichen kann. In Capalbio
wird er fündig. 2003, mit Mitte zwanzig,
kauft er 50 Hektar Land, 2006 beginnen
die Bauarbeiten.Monteverro ist geboren.
Von Pflanzen verstehen die Webers etwas.
1940 heiratet der Augsburger Eisenbahnersohn
GeorgWeber eine gewisse Albertine
Dehner aus Rain, deren Eltern einen
kleinen Lebensmittelhandel betreiben.
1947 nimmt die Firma „Dehner&Co–
Samenzucht – Samengroßhandel“ ihren
Betrieb auf. Heute ist Dehner mit etwa
100 Filialen und 5300 Mitarbeitern die
größte Gartencenter-Gruppe Europas mit
einemBrutto-Jahresumsatz von  697 Millionen
Euro (Stand 2011). Georg Weber, Jahrgang
1978, der Enkel des Unternehmensgründers,
leitet das Familienunternehmen
in dritter Generation.
DieWälder um Capalbio, in denen Wildschweine
den Boden zerwühlen, haben
Monteverro den Namen gegeben: Eberberg.
Den Reben bietet sich ein nahezu perfektes
Mikroklima. Kalksteinböden mit hohem
Ton- und Eisenanteil bilden das Terroir,
vom nahen Tyrrhenischen Meer, wo
in der Antike schon die Bürger Roms Abkühlung
suchten,weht eine stete Brise heran.
Ideale Bedingungen für lagerfähige
Weine. Schon der 2008er, der erste Monteverro-
Jahrgang, der in den Verkauf gelangt,
erregt die nach Neuem dürstende
Branche. Der 2009er gilt als Versprechen,
dieFassproben2010 bestätigen die Prognosen:
Wo um die Jahrtausendwende noch
ausgedehnteWeizenfelder standen, gedeihen
große Gewächse .Der kompromisslose
Qualitätsanspruch hat seinen Preis. Der
„Terra di Monteverro“, gewissermaßen
dasEinsteigermodell, ist für40Euro zuhaben.
Der „Monteverro“, das Spitzenprodukt,
eine nachKräuternschmeckendeCuvée
aus Cabernet Sauvignon, Cabernet
Franc,Merlotund PetitVerdot, ist bei Dallmayr
für 140 Euro gelistet. Pro Flasche
wohlgemerkt.ZumVergleich: Ein Tignanello,
der Inbegriff des Supertoskaners, kostet
70 Euro. Georg Webers Aufstieg in der
Weinwelt beschreibt die Fachpresse als
„kometenhaft“. Doch ausgerechnet in
Rain, wo mehr als 1000 Menschen „beim
Dehner“ arbeiten, hat derWein aus Capalbio
einen Beigeschmack.
Am 26.Februar 2009 übernimmt Weber
den Vorsitz der Dehner-Geschäftsführung.
Für viele überraschend erklärt an diesem
Tag Albert Weber, Georgs Vater, seinen
Rückzug. Vier Wochen später, imMärz
2009, kündigt Dehner die Tarifbindung.
Die Geschäftsführung leitet einen„Konsolidierungsprozess“
ein und legt einen
13-Punkte-Katalog vor – Schlagworte lauten
Wettbewerbsfähigkeit, Schuldenabbau,
Kostenreduktion. Die geplante Expansionin
derSchweiz wird gestoppt. Beschäftigte
sagen, das Unternehmen, das für seine
Mitarbeiterfreundlichkeit bekannt war,
erziele seine Gewinne jetzt auf dem Rücken
der Belegschaft. In Blogs klagen sie
über unsoziale Arbeitszeiten, über Druck
durch Vorgesetzte, über Erschöpfung und
Zukunftsangst. An einigen Standorten
kommt es zu Streiks. Albert Weber sei aus
der Geschäftsleitung gedrängt worden,
heißt es, man spricht vom„Dehner-Clan“.
Das Misstrauen der Mitarbeiter gegenüber
der neuen Geschäftsleitung ist groß,
vor allem gegen Georg Weber. Während
Großvater und Vater für ihr soziales Engagement
höchst angesehen sind – beide
sind Ehrenbürger der Stadt, ein Park und
das Fußballstadion des TSVRain sind nach
Georg Weber senior benannt –, munkeln
manche Mitarbeiter über den Junior, sein
Weingut sei ihm wohl wichtiger als seine
Verantwortung für Dehner.
In Zeiten von Armutsberichten und Debatten
über Verteilungsungerechtigkeit
mag man es durchaus für unsensibel halten,
wenn ein Unternehmer Millionen in
seine private Leidenschaft investiert,während
daheim im Familienbetrieb die Existenzangst
umgeht. Die Geschäftsführung
hält die Diskussion um Monteverro indes
für eine Neiddebatte und die angebliche
Missstimmung bei Dehner für stark übertrieben.
Dem Streikaufruf am Stammsitz
in Rain seien exakt 13 Beschäftigte gefolgt.
13 von 1000. Ein Sturm imWeinglas?
GeorgWeber sagt, er spreche gern über
Wein. Aber es gehöre nicht zur Unternehmensphilosophie,
Geschäftspolitik öffentlich
zu erörtern . Dehner komme seiner sozialen
Verantwortung nach. Nach zwei Nullrunden
2009 und 2010 stiegen Löhne und
Gehälter 2011 um 6,5 Prozent und noch einmal im August
2012 um 2,5 Prozent; außerdem erhielten
die Mitarbeiter eine einmalige Prämie.
„Darüber hinaus“, heißt es in einer betrieblichen Mitteilung,
die der SZ vorliegt,
„hält die Geschäftsführung an der Zusage
fest, der Belegschaft arbeitsvertragliche
Nebenleistungen wie etwa Urlaubs und Weihnachtsgeld,
zusätzlichen Urlaubsanspruch
oder Altersvorsorgeleistungen
mindestens bis 31.12.2014 zu gewähren.“
Aus Gewerkschaftskreisen heißt es: „Sie
können gar nicht anders, solange derManteltarifvertrag
gilt.“ Dieser Vertrag läuft
nun zum 1. Mai 2013 aus. Bei Dehner fragen
sie sich, was dann sein wird.
„Wir brauchen die Tarifbindung“, sagt
der Betriebsratsvorsitzende Gerhard Feda.
Wirtschaftliche Zwänge und Konkurrenzdruck
durch Heimwerkermärkte und Discounter
sind für dieGewerkschafter vorgeschobene
Argumente für schleichenden
Personalabbau und Renditemaximierung.
Im vermeintlichen Krisenjahr 2009 steigerteDehner
seinenGewinnum17 Prozent
auf knapp neun Millionen Euro. Doch die
Geschäftsführung hat mehr als einmal kategorisch
verfügt: Zum Tarif gibt es kein
Zurück. „Sicherheit für die Belegschaft
kann eine Tarifbindung nicht bieten“, sagt
Peter Kreil, Personalleiter und Mitglied
der Geschäftsleitung von Dehner. „Die beste Garantie
für sichereArbeitsplätze ist der
wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens.“
Als im ersten Halbjahr 2012 derUmsatz um 3,8
Prozent steigt, erhalten die Beschäftigten weitere
2,5 Prozent mehr Lohn
und Gehalt. Dehner liege damit „über dem
Lohn-Gehaltsniveau der Tarifverträge im
deutschenEinzelhandel“. In einem Schreiben
an die SZ bekräftigt die Geschäftsleitung,
dass sie früher getroffene Zusagen
auch ohne gültigen Manteltarif „über den
31.12.2014 hinaus verlängern wird“.
Den Gewerkschaftern ist das nicht verbindlich
genug. Vor Ostern wurde in acht
bayerischenDehner-Märkten abermals gestreikt.
„Gerade für BeschäftigteimEinzelhandel
sind geschützte existenzsichernde
Mindestbedingungen, wie sie Tarifverträge
bieten, elementar“, sagt Thomas Gürlebeck,
Verdi-Streikleiter ausAugsburg. Wie
fürdenWein aus derToskanagilt:DerJahrgang
2009 zeigt einen besonders langen
Nachhall.
Zwei Geschäftsfelder: DerWeinkeller vonMonteverro birgt nach Expertenmeinung hohe
Qualität. Die Gartencenter-Gruppe Dehner beschäftigt in etwa 100 Filialen rund
5300 Mitarbeiter
Georg Weber, Jahrgang
1978, leitet in
dritter Generation
Dehner, Europas
größte Gartencenter-
Gruppe. Mit Mitte
zwanzig kaufte er
50 Hektar Land, um
sein Weingut aufzubauen.


SZ-Landkreisausgaben Freitag, 19. April 2013
Bayern Region Seite 51DAH,EBE,ED,FS,FFB,München City,München Nord,München Süd,München West,STA Seite R17Wolfrhsn. Seite R19
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung Gmbh, München A54423692
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de jschnitzler

Kommentare:

  1. Alles in allen ein interessanter Artikel, allerdings nichts neues. Zumindest für die Leser hier. Und noch ein wenig Kritik. Ein paar Absätze zwischendurch wären nicht schlecht gewesen. Der Text ist ja in der Ausfertigung schwer zu lesen.

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  2. Was soll das ? Der Inhalt ist wichtig und nicht der formelle Aufbau. Ich habs gut lesen können. Vor allem informativ füralle, die keine süddeutsche Zeitung haben, Für Dehner Mitarbweiter in Hamburg ... über die Grenzen Bayerns hinaus.

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